Story

story_02Ich arbeitete damals als Geschäftsführer in einem Irish Pub in Wien Mariahilf, natürlich lernt man in der Gastronomie sehr viele Menschen kennen und jeder für sich ist einzigartig, so wie einer meiner Lieblingsgäste, der Clemens.

Er erzählte mir von seinem Leben und ich ihm von meinem und so kamen wir eines Tages auf seinen alten Jaguar zu sprechen.

Anfangs interessierte mich dieses Fahrzeug überhaupt nicht und noch dazu konnte ich ihm nicht folgen, da ich einen Jaguar E-Type gar nicht kannte. Der Wagen war älter als ich, sozusagen vor mir gebaut!

Er sagte mir, dass er das Auto gerne verkaufen würde, allerdings nicht irgendjemandem, sondern er wollte, dass das Auto in ordentliche Hände kommt, denn es verband auch ihn mit einer besonderen Geschichte und vielen unvergesslichen Erinnerungen. Da er selber aber nicht mehr in der Lage war, für den Wagen Sorge zu tragen, war ein Verkauf unumgänglich.

story_05Also versprach ich ihm, mich um diese Angelegenheit zu kümmern, da ich einige kenne, die mit dem Autoan- und verkauf ein Zubrot verdienen, jedoch war das ganze nur so eine so lala Geschichte und nicht wirklich ernst.

Am nächsten Tag stand eine Motorrad-Tour am Programm. Mein Chef, ein Geschäftsführer von einem Partnerbetrieb und ich fuhren unsere große Runde, als wir in Unterschützen im Burgenland in einen Platzregen kamen und Unterschlupf in einer KFZ Werkstätte suchen mussten. Als wir uns von den nassen Sachen befreit hatten, sahen wir in der Ecke ein zugedecktes Auto stehen.

story_04Ich fragte den Werkstattbesitzer, was sich darunter verbirgt, er antwortete: „Ein E-Type!“

Der Besitzer zeigte uns voller Stolz das Auto und ich wusste nun endlich, was ein E-Type ist.

Darauf gab es nur einen Gedanken: „So ein Auto muss ich haben!“

Als der Regen nachgelassen hatte, fuhr ich sofort in unser Pub und mein Gast Clemens saß wie gewohnt an der Bar, trank sein Bier und studierte die Zeitungen. Ich ging hin zu ihm und sagte: „Ich kaufe den Jaguar, aber für mich selbst!“

Also beschloss ich, ohne meine bessere Hälfte zu fragen, mir einen Jaguar E-Type zu kaufen und ohne zu wissen, worauf ich mich da eigentlich einließ. Aber Mut und einen leichten Hang zum Risiko hatte ich schon immer. Über den Preis wurden wir uns nach einem durchzechten Abend einig und so nahm die Geschichte ihren Lauf.

story_01Tage nach unserem Geschäftsabschluss, meine bessere Hälfte hatte gerade angefangen, wieder mit mir zu sprechen, da sie wegen meines (angeblich) unüberlegten Kaufs etwas verstimmt war, holten wir gemeinsam den Jaguar ab.

Wir öffneten die Garage, und ab diesen Zeitpunkt muss es zwischen dem Jaguar und meiner Uschi gefunkt haben, anders könnte ich das nicht erklären.

Am nächsten Tag machte sich mein Schulfreund sofort an die Arbeit, das Ding anzustarten, denn er wollte unbedingt den Spruch eines Zwölfzylinders hören. Nachdem er das Öl und den alten Sprit getauscht und die Zündkerzen gesäubert hatte, starteten wir den mittlerweile liebevoll genannten Jagi und wir staunten nicht schlecht, was der alte Engländer unter seiner Haube hervorbrachte.Wir schoben das etwas verschmutze Prachtstück heraus und verluden es auf den Anhänger und brachten ihn zu einem Freund in die Garage. Den Nachhauseweg werde ich nie vergessen, denn als wir mit dem Jaguar am Hänger durch Wien fuhren, drehte sich ein jeder um und einige hoben auch achtungsvoll die Hand. So etwas habe ich nur bei sehr hübschen und leicht bekleideten Frauen oder teuren Sportwagen zuvor gesehen, aber nicht bei einem 35 Jahre alten Auto! Damals unvorstellbar für mich.

story_07Kurzerhand beschlossen wir, den Jagi zu restaurieren, was aber zunächst im Sand verlief, da die Teile ohne fachliches Wissen nicht leicht zu bekommen waren und wir eigentlich keine Ahnung von dieser Materie hatten.

Ich war zu diesem Zeitpunkt, etwa ein halbes Jahr nach dem Kauf, mit den Nerven so weit am Ende, dass ich den Jagi verkaufen wollte, nur meine Uschi nicht, sie hatte sich doch tatsächlich in den alten Knaben verliebt!

Aber da kam ein anderer Stammgast ins Spiel, und zwar der Cider-Kurt´l. Er sagte, dass sein Arbeitskollege mehrere solcher Engländer herumstehen habe und er mich mit ihm zusammenführen könne.

Gesagt, getan meldete sich Tage später sein Kollege Siegbert bei mir, ein erfahrener Oldtimer-Enthusiast, der mich ermutigte, nicht aufzugeben und den Wagen wieder auf die Räder zu bringen.

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Er brachte mich zum C.O.V.C, einem sehr netten Oldtimerclub in Wien. Dort lernte ich den Jaguarspezialisten Manfred kennen, der sich dann in mühevoller Kleinarbeit mit seinen Freunden Johann, Nelson und Michi meines Jagi´s annahm und komplett restaurierte, so dass er das ist, was wir heute bewundern können.

Geschrieben von

Johannes Strutzenberger  &  Clemens Otten